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infinity | 11 years ago

Johann Wolfgang von Goethe

  Der Zauberlehrling

  Hat der alte Hexenmeister 
  Sich doch einmal wegbegeben! 
  Und nun sollen seine Geister 
  Auch nach meinem Willen leben. 
  Seine Wort´ und Werke 
  Merkt ich und den Brauch, 
  Und mit Geistesstärke 
  Tu ich Wunder auch. 

  Walle! walle 
  Manche Strecke, 
  Daß, zum Zwecke, 
  Wasser fließe 
  Und mit reichem, vollem Schwalle 
  Zu dem Bade sich ergieße. 

  Und nun komm, du alter Besen! 
  Nimm die schlechten Lumpenhüllen; 
  Bist schon lange Knecht gewesen: 
  Nun erfülle meinen Willen! 
  Auf zwei Beinen stehe, 
  Oben sei ein Kopf, 
  Eile nun und gehe 
  Mit dem Wassertopf! 

  Walle! walle 
  Manche Strecke, 
  Daß, zum Zwecke, 
  Wasser fließe 
  Und mit reichem, vollem Schwalle 
  Zu dem Bade sich ergieße. 

  Seht, er läuft zum Ufer nieder, 
  Wahrlich! ist schon an dem Flusse, 
  Und mit Blitzesschnelle wieder 
  Ist er hier mit raschem Gusse. 
  Schon zum zweiten Male! 
  Wie das Becken schwillt! 
  Wie sich jede Schale 
  Voll mit Wasser füllt! 

  Stehe! stehe! 
  Denn wir haben 
  Deiner Gaben 
  Vollgemessen! - 
  Ach, ich merk es! Wehe! wehe! 
  Hab ich doch das Wort vergessen! 

  Ach, das Wort, worauf am Ende 
  Er das wird, was er gewesen. 
  Ach, er läuft und bringt behende! 
  Wärst du doch der alte Besen! 
  Immer neue Güsse 
  Bringt er schnell herein, 
  Ach! und hundert Flüsse 
  Stürzen auf mich ein. 

  Nein, nicht länger 
  Kann ichs lassen; 
  Will ihn fassen. 
  Das ist Tücke! 
  Ach! nun wird mir immer bänger! 
  Welche Miene! welche Blicke! 

  O, du Ausgeburt der Hölle! 
  Soll das ganze Haus ersaufen? 
  Seh ich über jede Schwelle 
  Doch schon Wasserströme laufen. 
  Ein verruchter Besen, 
  Der nicht hören will! 
  Stock, der du gewesen, 
  Steh doch wieder still! 

  Willsts am Ende 
  Gar nicht lassen? 
  Will dich fassen, 
  Will dich halten 
  Und das alte Holz behende 
  Mit dem scharfen Beile spalten. 

  Seht, da kommt er schleppend wieder! 
  Wie ich mich nur auf dich werfe, 
  Gleich, o Kobold, liegst du nieder; 
  Krachend trifft die glatte Schärfe. 
  Wahrlich! brav getroffen! 
  Seht, er ist entzwei! 
  Und nun kann ich hoffen, 
  Und ich atme frei! 

  Wehe! wehe! 
  Beide Teile 
  Stehn in Eile 
  Schon als Knechte 
  Völlig fertig in die Höhe! 
  Helft mir, ach! ihr hohen Mächte! 

  Und sie laufen! Naß und nässer. 
  Wirds im Saal und auf den Stufen. 
  Welch entsetzliches Gewässer! 
  Herr und Meister! hör mich rufen! - 
  Ach, da kommt der Meister! 
  Herr, die Not ist groß! 
  Die ich rief, die Geister 
  Werd ich nun nicht los. 

  "In die Ecke, 
  Besen! Besen! 
  Seids gewesen. 
  Denn als Geister 
  Ruft euch nur, zu seinem Zwecke, 
  Erst hervor der alte Meister."

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